Blue Flower

Aus der Chronik 1919 - 1999 der Kleingartenanlage „Schüßler“ e. V.

Vom mühseligen Anfang

Die hier abgebildeten Postkarten sind eine Leihgabe von Willy Manns http://www.ansichtskarten-pankow.de zur Geschichte von Pankow rund um Schüssler. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung bei Karin Manns.

 

Unser Ehrenmitglied Herbert Thadewald (Jahrgang 1910),dessen Eltern zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählten, erinnert sich:
Die Anlage B soll ein ehemaliger Sportplatz gewesen sein und wurde 1915 parzelliert. Es war eine schwere Arbeit, den Boden zu kultivieren. Aber im zweiten Kriegsjahr wurde jedes Stück Land für die Ernährung der Bevölkerung gebraucht. Da es zunächst weder Wasseranschluß noch Brunnen gab, war es wichtig, daß jede Parzelle bis an die Panke reichte, um eine Bewässerung der angelegten Kulturen zu erreichen. Um aber trotzdem möglichst viele Parzellen zu erhalten, wurden die einzelnen Stücke sehr lang und schmal vermessen. Es war eine Strapaze, mit 2 Wassereimern oder Gießkannen die rund 80 m von der Panke bis zum Ende der Parzelle zu laufen, zumal ja in diesen Hungerjahren jedes Fleckchen Land maximal ausgenutzt wurde.

Noch beschwerlicher war die Versorgung mit Trinkwasser. Zum Kochen und Abwaschen mußte das Wasser in Eimern entweder aus einem der nächsten Häuser oder einem Gartenlokal gegen die Gebühr von 0,10 Mark je Eimer geholt werden. Die Brunnen, die sich die einzelnen Gartenfreunde selbst bohrten, ergaben auch kein Trinkwasser. Ein Fortschritt war es dann schon, als auf dem Weg an der Anlage A ein Wasseranschluß hergestellt wurde; zumindest brauchte man dann nicht mehr nach Wasser betteln zu gehen. An der Wasserschlepperei hatte sich damit allerdings noch nichts geändert. Eine große Erleichterung war es dann, als lange nach dem 2. Weltkrieg endlich eine Wasserleitung für alle Parzellen angelegt wurde.
Zu beiden Seiten der Anlage gab es Tennisplätze, die erst viele Jahre später der Kleingartenkolonie angegliedert wurden. Links neben der Anlage B war auf dem Gelände, das jetzt zum Krankenhaus gehört, ein großes Gartenlokal: die „Strauchwiese".

 

Hier war jeden Sonntag bei schönem Wetter „Tanz im Freien". Bei ungünstiger Witterung wurde im großen Saal getanzt. Zu der Gaststätte gehörte auch eine Kaffeeküche. Hier konnte man gegen geringe Gebühr Geschirr ausleihen und mitgebrachten Kaffee aufbrühen lassen; dazu wurde dann der ebenfalls mitgebrachte Kuchen verzehrt. An beiden Pfingstfeiertagen gab es von 6.00 bis 10.00 Uhr ein großes Frühkonzert mit Tanz im Freien.    

An der anderen Seite der Kleingartenanlage gab es ebenfalls ein großes Gartenlokal.Nach dem Besitzer hieß es „Gaststätte Schüßler". Danach wurde auch unsere Anlage benannt.Auch hier fanden Sonntags Kaffeekonzerte mit Tanz statt. So gab es ebenfalls ein Schild: „Hier können Familien Kaffee kochen".

 

Zu diesem Lokal gehörte ein großer Platz, der unmittelbar neben den Tennisplätzen lag.

Hier gab es einen Kutschwagen mit zwei Ponys bespannt, auf dem die Kinder gegen Entgelt eine Runde fahren konnten. Im Sommer fand hier an jedem Donnerstag ein Kinderfest statt. Onkel Pelle sorgte für Stimmung, und zum Abschluß gab es einen Umzug mit Stocklaternen. Die eigentliche Gaststätte lag aber auf der anderen Seite der Panke, also neben der jetzigen Anlage A.

Beide Teile des Gartenlokals waren durch eine kleine Brücke verbunden, die heute auch nicht mehr vorhanden ist. Zwischen der Gaststätte Schüßler und der Kleingartenanlage befand sich ebenfalls ein Tennisplatz.

Ein drittes, etwas kleineres Gartenlokal, „Mandels Waldschänke" ,gab es hinter der Anlage A auf dem Gelände der jetzigen Behindertenschule. 

Zwischen beiden Gartenlokalen war ein großer Festplatz. Hier sorgten eine Luftschaukel, eine Schießbude, ein Ketten- und ein Kinderkarussell für Unterhaltung. Außerdem konnte man an einer Würfelbude Räucheraale gewinnen. Weiterhin gab es ein Glücksrad, an dem man für 10 Pf Pralinen und Schokolade gewinnen konnte. Auch ein Kiosk mit Süßigkeiten und Eis sowie eine Wurstbude waren vorhanden.

Bei schönem Wetter strömten nicht nur die Pankower, sondern auch viele Berliner in den Schloßpark, und man mußte zeitig da sein, um noch einen Platz in einer der drei Gaststätten zu bekommen. In der Umgebung der Kleingartenanlage gab es zu der Zeit noch viele Kornfelder. Einer der letzten Bauernhöfe stand auf dem Gelände des jetzigen Freibades.
Zu erwähnen ist noch, daß die Panke in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg nicht reguliert war und deshalb fast jedes Frühjahr Hochwasser führte. Sie war dann ein ziemlich reißender Fluß, und die niedriger gelegenen Gärten an der Pankebrücke bei Schüßler standen unter Wasser. Es kam sogar vor, daß die Brücke überschwemmt war.